Jugend

Presse: Premiere abgesagt – Corona lässt Mogli nicht auftreten

Beitrag im Starnberger Merkur vom 21.03.2020

https://www.merkur.de/lokales/starnberg/starnberg-ort29487/premiere-abgesagt-corona-laesst-mogli-nicht-auftreten-13608189.html

Die Bäume werden abgeschraubt, die Blumen weggetragen, die Lianen eingerollt: Ohne Premiere bauten die Schauspieler des Jugendtheaters der Kolpingbühne Starnberg am Samstag das Bühnenbild für ihr Stück „Das Dschungelbuch“ ab.

Starnberg – Samstag hätte ihr Stück zum ersten von sechs Malen aufgeführt werden sollen. 38 Kinder zwischen acht und 18 Jahren hätten mitgespielt. Wegen des Coronavirus müssen Mogli, Balu und die anderen Dschungelbewohner von ihren Auftritten vorerst aber absehen.

Eine Generalprobe gab es trotzdem: Am Donnerstag spielten die Schauspieler ihr Stück vor leeren Sitzen einmal durch: „Es war ein preisverdächtiger Auftritt“, sagt Spielleiterin Barbara Schwab. Seit 27 Jahren organisiert sie ehrenamtlich Manuskripte, Proben und Aufführungen. Ein Stück habe sie aber noch nie absagen müssen. Normalerweise würde sie ab Sommer ein neues Manuskript für die Aufführung 2021 suchen, jetzt spielt sie mit dem Gedanken, das Dschungelbuch vielleicht noch einmal aufzulegen: „Es ist schon eines meiner Lieblingsstücke, ich möchte das ungern so stehen lassen“, sagt die gelernte Bankkauffrau.

Ob Ensemble in gleicher Besetzung spielt, ist unklar

Ob alle Kinder, die bei den Proben seit Anfang Januar dabei waren, auch im nächsten Jahr mitspielen können, bleibt ungewiss. Drei Schauspieler machen gerade Abitur, bei einigen Jüngeren stehen Konfirmationen und Firmungen an: „Ich muss damit rechnen, dass bei einer größeren zeitlichen Verschiebung unsere Kinder andere Prioritäten haben werden, als bei unserem Theaterstück dabei zu sein“, sagt Schwab.

Nach den Aufführungen trifft sich die Schauspielgruppe normalerweise weiter, um im Pfarrzentrum St. Maria Improvisations- und Sprechworkshops zu machen. „Wer weiß, vielleicht lässt sich das dieses Mal über das Internet einrichten“, sagt Schwab.

Die zweifache Mutter habe vor zehn Jahren schon Maßnahmen ergriffen, um die Verbreitung von Keimen in ihrer Jugendgruppe zu verhindern: „Wir sind eine große Gruppe auf sehr kleinem Raum, deswegen werden die Kinder immer von oben bis unten desinfiziert – ich habe schon vor Corona alles auf Vorrat gekauft“, sagt die Spielleiterin.

„Es waren so witzige Proben“

So verliefen die Proben auch dieses Jahr reibungslos. Man habe viel gelacht, aus dem Film „Der Schuh des Manitu“ zitiert und miteinander die Alltagssorgen vergessen: „Es waren so witzige Proben“, sagt Schwab, „die Kinder wissen, dass ich Spaß durchgehen lasse, aber auch eine gute Leistung von ihnen erwarte.“

Mit Erfolg, denn: Alle Kinder kamen regelmäßig zu den Proben – im Februar sogar dreimal pro Woche. Zur letzten Probe am Donnerstag fügt Schwab noch hinzu: „Unsere Kinder sind immer locker, und alle haben das toll gemacht. Vor Publikum hätten sie aber schon auch gerne gespielt.“

Ob das Dschungelbuch noch in diesem Jahr nachgeholt werden kann, ist unklar. Erworbene Eintrittskarten wurden vorerst zurückgenommen. Die Spielleiterin berichtet von viel Zuspruch und Verständnis seitens der Zuschauer. „Ich glaube auch, dass die Absage des Stückes unsere Gruppe weiter zusammengeschweißt hat“, sagt sie.

Im Juli steht für die Jungschauspieler bislang noch ein Freizeit-Wochenende auf einer Hütte in Unterammergau auf dem Programm. Ob sie die Reise antreten werden, ist aber derzeit auch noch ungewiss. 

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